Alles, was Sie über Lebensmittelverpackungen wissen müssen

Das Glossar umfasst nützliche Definitionen unserer Klebstoffspezialisten zum Thema Lebensmittelsicherheit – gebündelt an einem zentralen Ort. Erkunden Sie unser umfangreiches Wissenscenter und vertiefen Sie Ihre Fachkenntnisse in Sachen sichere Lebensmittelverpackungen. Es erwarten Sie wichtige Themengebiete, zum Beispiel Migration, ALARA, Lebensmittelkontaktgesetzgebung oder Qualitätsstandards.

ALARA
ALARA ist die Abkürzung für „as low as reasonable achievable” („so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“). Die Arbeit nach dem ALARA-Prinzip in Bezug auf den Lebensmittelkontakt bedeutet, dass alle möglichen Migranten auf das für die beabsichtigte technische Wirkung notwendige Mindestniveau reduziert werden sollten.

Analytik

Henkels unternehmenseigene Analytik in Düsseldorf bietet allen Geschäftsbereichen von Henkel sowie externen Kunden ihre analytischen Dienstleistungen an. Sie unterstützt Henkel-Produkte während des gesamten Lebenszyklus: von der Forschung über die Produktentwicklung bis hin zur Produktion, dem Produktmanagement, Vertrieb und technischen Kundenservice. Die analytischen Dienstleistungen sind dabei so vielfältig wie die gesamte Henkel-Produktpalette, von Klebstoffen bis hin zu Wäschepflegeprodukten und Kosmetika. Abhängig von den angeforderten Informationen, verfügt Henkels analytisches Zentrum über alle Techniken, um Rohstoffe sowie Endprodukte zu untersuchen, Spezifikationen zu überprüfen oder Fehleranalysen durchzuführen.

Antioxidantien
Antioxidantien werden häufig in thermoplastischen Systemen wie Schmelzklebstoffen eingesetzt, um thermo-oxidative Schäden (Zersetzung, Skinning, Verfärbung) der Klebstoffe zu verhindern, besonders wenn sie sich im geschmolzenen Zustand befinden. Die meisten Antioxidantien besitzen ein niedriges molekulares Gewicht, z. B. phenolische Antioxidantien, Thiosynergisten oder Phosphite. Henkel verwendet für Produkte mit möglichem Lebensmittelkontakt nur Antioxidantien, die in der Kunststoff-Verordnung (EU) Nr. 10/2011 und in den jeweiligen FDA-Vorschriften aufgeführt sind.

Benzoate
Benzoate wie Diethylenglykoldibenzoat, Dipropylenglykoldibenzoat und Triethylenglykoldibenzoat werden oft als Weichmacher eingesetzt.

BfR
Das BfR ist das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung. Unter dem Dach des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz steht es für alle wissenschaftlichen Aspekte des Verbraucherschutzes. Seine Hauptaufgaben sind die Identifizierung von Risiken und der Schutz der Gesundheit. Gemäß der BfR-Webseite umfassen die Aufgaben „die Bewertung bestehender und das Aufspüren neuer gesundheitlicher Risiken, die Erarbeitung von Empfehlungen zur Risikobegrenzung und die Kommunikation dieses Prozesses. In seinen Bewertungen und Empfehlungen ist das BfR frei von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen und gestaltet sie nachvollziehbar für den Bürger.“ Das BfR veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Empfehlungen seines hauseigenen Expertenteams, die allerdings keine Gesetze darstellen. Darin finden sich spezifische Kapitel für unterschiedliche Produktgruppen, z. B. Klebstoffe/Dispersionen (BfR XIV) oder Polyurethane (BfR XXVIII). Die Rahmenverordnung besagt, dass – solange es in Europa keine spezifische Gesetzgebung gibt, z. B. für Klebstoffe – es erlaubt ist, nationale Vorschriften oder Empfehlungen wie die des BfR zu verwenden.

Weitere Informationen auf der BfR-Webseite

Borsäure
Borsäure und Borate sind Additive, die in Klebstoffen weit verbreitet sind. Sie werden verwendet, um die Viskosität und Klebrigkeit von Klebstoffen, insbesondere für die Papierverarbeitung und Etikettierung, zu erhöhen. Borsäure und Borate wurden in das Verzeichnis der SVHC (Substances of Very High Concern, besonders besorgniserregende Stoffe) aufgenommen. Sie werden als fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch) eingestuft. Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 erfüllen sie nicht die Kriterien für PBT (persistent/bioakkumulativ/toxisch). Die Menge an Borsäure und Boraten, die in Klebstoffen verwendet wird, ist oft viel niedriger als die Konzentrationsgrenzwerte, die zur Klassifizierung des Endprodukts führen. Henkel hat neu entwickelte boratfreie Klebstoffe im Potfolio.

CLP
Die CLP-Verordnung (Classification, Labeling and Packaging – „Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung“, Verordnung (EG) Nr. 1272/2008) setzt das global harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) um. Sie ersetzt das System der Richtlinie 67/548/EWG (Stoffrichtlinie) und der Richtlinie 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie). Durch die CLP-Verordnung werden die bekannten R- und S-Sätze (Risiko- und Sicherheitssätze) und orangefarbenen Piktogramme durch H- und P-Sätze (Gefahren- und Sicherheitshinweise) und neue diamantförmige Piktogramme mit roter Umrandung ersetzt. Produkte, die aus nur einer Substanz bestehen, mussten gemäß den neuen Anforderungen bis zum 1. Dezember 2010 neu eingestuft und neu gekennzeichnet werden.

CMR-Stoffe
CMR (Carcinogenic, mutagenic and reprotoxic) steht für krebserzeugend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend. Stoffe, die eine oder mehrere dieser Eigenschaften aufweisen, werden als CMR-Stoffe klassifiziert.

Decreto Ministeriale
Das Decreto Ministeriale 21/03/73 ist eine italienische Gesetzgebung im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Es legt Hygieneanforderungen für Verpackungen, Behälter und Werkzeuge fest, die für den Kontakt mit Lebensmitteln bestimmt sind. Das Decreto Ministeriale ist regelmäßig aktualisiert worden, um der europäischen Gesetzgebung zu entsprechen. Es setzt spezifische Anforderungen an verschiedene Materialien, wie zum Beispiel Kunststoff, Gummi, regenerierte Zellulose, Papier und Pappe, Glas und Edelstahl fest.

Dual-Use-Stoffe
Dual-Use-Stoffe sind Substanzen, die bei Lebensmittelkontaktmaterialien als Additive aber auch als Lebensmittelzusatzstoffe oder Aromen verwendet werden. Informationen über die Anwesenheit von Dual-Use-Additiven sollten in der SML-Tabelle (Specific Migration Limits) angegeben werden, damit der Lebensmittelabfüller eine ordnungsgemäße Risikobewertung durchführen kann.

EFSA
Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) bewertet kontinuierlich Substanzen für Lebensmittelkontaktmaterialien, indem sie spezifische Migrationsgrenzwerte festlegt. Das EFSA-Gremium für Lebensmittelkontaktmaterialien, Enzyme, Aromen und Verarbeitungshilfsstoffe greift auf wissenschaftliche Gutachten zurück und bietet Empfehlungen im Hinblick auf Risikobewertungen.

Entschäumer

Entschäumer sind chemische Additive, welche die Bildung von Schaum in Flüssigkeiten während des industriellen Prozesses reduzieren bzw. verhindern. Es gibt verschiedene chemische Familien von Entschäumern, darunter solche auf Basis von Mineralölen, auf Basis von pflanzlichen Ölen und auf Basis von Silikonen. Aus diesen Familien wählt Henkel Vertreter, die für Lebensmittelverpackungen geeignet und in der Lebensmittelkontaktgesetzgebung aufgeführt sind.

EU-Standardwürfel

Ein Kilogramm Lebensmittel wird in einen Würfel mit 1 Dezimeter Kantenlänge abgepackt. Das entspricht einer Lebensmittelkontaktfläche von 6 dm². Es wird also angenommen, dass 1 kg Lebensmittel in 6 dm² Lebensmittelkontaktmaterial abgepackt werden kann. Dieses Oberflächen-Volumen-Verhältnis von 6 dm²/kg ist ein vereinfachter Ansatz und muss bei der Bewertung der Migration an die tatsächlichen Anwendungsbedingungen angepasst werden.

Food Contact Statement
The food contact statement must provide the customers (e.g. converter, food producer etc.) with all necessary information so that they are able to make their own risk assessment. The European legislation demands to carry out risk assessments on each stage of the production:
- Raw material supplier: makes risk assessment for the material
- Henkel: makes risk assessment for the adhesive
- Converter: makes risk assessment for the final packaging
- Filler: makes risk assessment for the packaged food

Framework Regulation (EC) No 1935/2004
The Framework Regulation is a European food contact legislation. Accordingly, materials and articles shall be manufactured in compliance with Good Manufacturing Practice so that, under normal or foreseeable conditions of use, they do not transfer their constituents to food in quantities which could:
- endanger human health
- bring about an unacceptable change in the composition of the food
- bring about a deterioration in the organoleptic characteristics thereof

Gesamtmigrationsgrenzwert
Gemäß der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 dürfen Materialien und Gegenstände aus Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, ihre Bestandteile in Lebensmittelsimulanzien nicht in Mengen von mehr als 10 Milligramm der gesamten abgegebenen Bestandteile je dm² der mit Lebensmitteln in Berührung kommenden Fläche (mg/dm²) übertragen. Dieser Grenzwert von 10 mg/dm² ist definiert als Gesamtmigrationsgrenzwert (OML, overall migration limit). Im Zusammenhang mit dem EU-Standardwürfel (6 dm²/kg) kann dieser in bestimmten Fällen auch als 60 mg pro Kilogramm Lebensmittel ausgedrückt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier Materialien und Gegenständen, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind. Diese Materialien und Gegenstände dürfen ihre Bestandteile in Lebensmittelsimulanzien nicht in Mengen von mehr als 60 mg der gesamten abgegebenen Bestandteile je kg übertragen.

GMP
Gute Herstellungspraxis (GMP, Good Manufacturing Practice) umfasst den Teil der Qualitätssicherung, der sicherstellt, dass Produkte stets so hergestellt und kontrolliert werden, dass ihre Eignung für die beabsichtigte Verwendung gesichert ist.

GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006
Artikel 5, 6 und 7 der GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 fordern die Implementierung eines effektiven und dokumentierten Qualitätssicherungssystems, die Einrichtung eines Qualitätskontrollsystems einschließlich laufendem Monitoring und die Dokumentation der Spezifikationen, Herstellungsformeln und Verarbeitung.

HACCP
HACCP ist die Abkürzung für „Hazard Analysis and Critical Control Point“ („Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte“). HACCP ist ein präventives System mit dem Ziel, die Sicherheit von Lebensmitteln zu gewährleisten und die Gesundheit der Verbraucher zu schützen. Es ist ein Werkzeug, um Gefahren zu beurteilen und ein Kontrollsystem zu schaffen, das auf Prävention ausgerichtet ist. Das HACCP-Prinzip kann auf die gesamte Produktionskette angewendet werden. Der erste Schritt ist eine Gefahrenanalyse, in der mögliche kritische Kontrollpunkte (CCPs, Critical Control Points) identifiziert werden. Für diese Punkte müssen kritische Grenzwerte festgelegt und das System so eingerichtet werden, dass die CCPs überwacht werden. Für diese unterschiedlichen CCPs ist sodann eine Definition von Korrekturmaßnahmen erforderlich. Ziel ist es, einen Prozess zu etablieren, welcher prüft, ob das HACCP-Prinzip wirksam ist oder nicht, und alle Schritte dieses Prozesses zu dokumentieren.

Haftklebstoff
Haftklebstoffe (PSA, Pressure Sensitive Adhesives) sind Klebstoffe, die durch leichten Anpressdruck einen Film bilden, um den Klebstoff und das Fügeteil zu vereinen. Weder Lösungsmittel, Wasser noch Wärme werden benötigt, um den Klebstoff zu aktivieren. Haftklebstoffe werden in einer Vielzahl von Branchen eingesetzt, darunter die Klebeband-, Etiketten-, Grafik-, Medizin- und Automobilindustrie.

Kaltsiegelbeschichtungen
Kaltsiegelbeschichtungen sind Materialien, die auf Foliensubstrate aufgetragen werden können, auf der sie eine Schicht bilden, die zwar nicht so klebrig wie ein gebräuchlicher Haftklebstoff, aber dennoch selbstklebend genug ist. Dadurch können Kaltsiegelbeschichtungen auf Folien aufgetragen und als Rollenware – ohne eine übermäßige Blockierung der Rolle – gelagert werden. Bei der Anwendung kann aus dem Foliensubstrat eine flexible Verpackung gebildet und diese anschließend allein durch Druck um die Kanten herum versiegelt werden. Anders als bei Heißsiegelbeschichtungen von flexiblen Verpackungen können hierbei auch temperaturempfindliche Füllgüter, darunter Schokolade, ohne Beschädigungen verpackt werden.

Kontamination
Die Kontamination von Lebensmitteln mit unbeabsichtigt eingebrachten Stoffen ist ein ernstzunehmendes Thema, da sie das Lebensmittel zum Verzehr ungeeignet machen und eine mögliche Ursache von Krankheiten darstellen kann. Verschiedene Arten von Verunreinigungen sind möglich, darunter biologische Kontamination durch Bakterien oder Pilze, chemische Kontamination durch chemische Substanzen oder Kontamination durch Fremdkörper (wie Haare, Nägel etc.). Auch Klebstoffe können verunreinigt werden, sofern diese nicht gemäß GMP-Richtlinien hergestellt werden. Bei wasserbasierten Klebstoffen muss eine biologische Kontamination durch die Verwendung der richtigen Konservierungsmittel vermieden werden. Eine chemische Kontamination von Klebstoffen kann durch verunreinigte Rohstoffe oder verunreinigte Produktionsanlagen entstehen. Eine Kreuzkontamination von Produkten, also eine Übertragung von Komponenten aus einer Formulierung auf eine andere während der Produktion, muss durch die Einhaltung von GMP-Vorschriften ausgeschlossen werden.

Kunststoff-Verordnung (EU) Nr. 10/2011  

Die Kunststoff-Verordnung ist eine gesetzliche Regelung für Kunststoffe im Lebensmittelkontakt. Sie gilt nicht für Klebstoffe und Beschichtungen, sondern nur für Kunststoffschichten in Mehrschicht-Verbundmaterialien. Klebstoffe befinden sich ausdrücklich außerhalb des Geltungsbereiches dieser Regelung. Der Gesamtmigrationsgrenzwert (OML) für alle Stoffe in einer Lebensmittelverpackung darf 10 mg/dm² der mit dem Lebensmittel in Berührung stehenden Fläche nicht überschreiten. In der Kunststoff-Verordnung sind auch spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) für einzelne Stoffe aufgelistet, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Diese Grenzwerte, die auf toxikologischen Daten beruhen, können auch bei der Beurteilung von Klebstoffen berücksichtigt werden.

Latexbasierte Kaltsiegelbeschichtungen
Herkömmliche Kaltsiegelmaterialien enthalten – aufgrund der sehr einzigartigen Eigenschaften, die dieses Polymer besitzt – natürlichen Latex. Latex bietet eine gute Dichtungseigenschaft. Damit können Verpackungen hergestellt werden, die eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Belastung haben und gegen Bersten beständig sind. Wie bei allen latexbasierten Produkten müssen allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden, da Latex naturbedingt Nebenprodukte (z. B. Proteine) enthält, die bei einigen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können. Henkel empfiehlt daher keinen direkten Kontakt zwischen dem Füllgut und der latexbasierten Kaltsiegelbeschichtung.

Lebensmittelrechtliche Erklärung
Die lebensmittelrechtliche Erklärung muss dem Kunden (z. B. Verarbeiter, Lebensmittelhersteller etc.) alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellen, damit er seine eigene Risikobewertung durchführen kann. Die europäische Gesetzgebung verlangt, auf jeder Stufe der Produktion Risikobewertungen durchzuführen:

  • Rohstofflieferant: muss eine Risikobewertung für das Material durchführen
  • Klebstofflieferant: muss eine Risikobewertung für den Klebstoff durchführen
  • Verarbeiter: muss eine Risikobewertung für die Endverpackung durchführen
  • Lebensmittelhersteller: muss eine Risikobewertung für das verpackte Lebensmittel durchführen

Migration
Migration ist die Übertragung von Substanzen zwischen zwei Phasen, d.h. von der Verpackung in das Lebensmittel und umgekehrt. Alle Verpackungsmaterialien und auch die Umgebung können zur Migration beitragen. Je niedriger ihre molekulare Masse, desto leichter kann eine Substanz migrieren. Es ist allgemein anerkannt, dass Moleküle mit einer Masse von mehr als 1000 Dalton nicht für die Migration berücksichtigt werden müssen, da ihr Migrationspotenzial sehr gering ist. Genau definierte Migrationstests existieren nur für Kunststoffe, die jedoch nicht 1: 1 auf Klebstoffe angewendet werden können.

Migrationsgrenzwerte
Dieser Begriff bezeichnet Grenzwerte für Stoffe, die in Lebensmittel migrieren. Üblicherweise werden diese als Gesamtmigrationsgrenzwert (OML, overall migration limit) und als spezifischer Migrationsgrenzwert (SML, specific migration limit) angegeben.

Migrationstest
Die Gesetzgebung zu Lebensmittelkontaktmaterialien setzt einen klaren Orientierungsrahmen für die durchzuführenden Tests und konzentriert sich im Allgemeinen auf das Endprodukt. Migrationstests zur Überwachung der Gesamtmigrationsgrenzwerte (OML) haben zwar keine toxikologische Bedeutung, aber sie geben einen guten Hinweis auf das Verhalten des Lebensmittelkontaktmaterials gegenüber dem Füllgut. Zur Überprüfung der spezifischen Migrationsgrenzwerte (SML), die auf verfügbaren toxikologischen Daten basieren, werden spezifische Migrationstests durchgeführt. Die Einhaltung dieser SML-Werte ist für die beabsichtigten Einsatzbedingungen entscheidend.

Mineralöle
Seit 2011 sind Mineralölkomponenten in Lebensmitteln ein wichtiges Thema. Verschiedene Analysen der Lebensmittelüberwachungsbehörde in der Schweiz haben gezeigt, dass Mineralölverbindungen in vielen verpackten Lebensmitteln vorhanden sind. Diese Kontamination wird vor allem durch die Verwendung von Zeitungen in Recyclingpapier und -pappe verursacht. Mineralölkomponenten sind komplexe Zusammensetzungen aus mehreren Substanzen, die chemisch nicht klar definiert sind.

MOAH
Die kleinere Gruppe von Mineralölkohlenwasserstoffen (MOH) umfasst sogenannte „aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe“ (MOAH). Hierbei handelt es sich um aromatische Kohlenwasserstoffe, die überwiegend aus 1-4 Ringsystemen bestehen und bis zu 97% alkyliert sind. Gemäß dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann für diese Fraktion kein karzinogenes Potenzial ausgeschlossen werden. Mutagenität kann insbesondere bei aromatischen Kohlenwasserstoffen mit 3-7 Ringsystemen verursacht werden.

MOH
Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH, mineral oil hydrocarbons) bestehen hauptsächlich aus zwei chemisch und strukturell unterschiedlichen Fraktionen: den „aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen“ (MOAH, mineral oil aromatic hydrocarbons) und den „gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen“ (MOSH, mineral oil saturated hydrocarbons). Technische Mineralöle enthalten normalerweise 15-35% MOAH, d.h. das Verhältnis von MOSH : MOAH beträgt zumeist 4:1.

MOSH
Die größere Mineralölfraktion besteht aus sogenannten „gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen“ (MOSH). Dies sind paraffinische und naphthenische Kohlenwasserstoffe mit einer Kohlenstoffkette von 16-35 Atomen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat geschätzt, dass wir zwischen 0,03 und 0,3 mg an gesättigten Kohlenwasserstoffen pro Kilogramm Körpergewicht mit unserer täglichen Nahrung aufnehmen. Tierversuche legen den Schluss nahe, dass sich diese Mineralölfraktion im Körper ansammeln kann, vor allem in Lymphknoten, Milz und Leber.

NIAS
Als NIAS (non-intentionally added substances) werden unbeabsichtigt eingebrachte Stoffe bezeichnet, also Stoffe, die in Lebensmittelverpackungsmaterialien enthalten sind, die aber nicht im Rahmen der Formulierungsarbeiten des Lieferanten hinzugefügt wurden. Solche Verbindungen sind entweder – oft unvermeidbar – Verunreinigungen und Reaktionsprodukte, die in Folien, Druckfarben und Klebstoffen enthalten sind oder Substanzen, die während der Anwendung gebildet werden, z.B. wenn zwei Komponenten wie Folie und Klebstoff aufeinandertreffen oder wenn die Verpackung der Umwelt oder dem Lebensmittel ausgesetzt wird. Mit der heutigen leistungsstarken Analytik können NIAS in nahezu jedem Material festgestellt werden, denn bei einer Größenordnung von Teilen pro Millionen und kleiner sind Verunreinigungen unvermeidbar. Da es in der Regel nicht möglich ist, NIAS vollständig zu vermeiden, kann eine Risikobewertung von bekannten NIAS durchgeführt werden und ihr Grad durch die Anwendung von ALARA-Prinzipien minimiert werden.

Niedrige Migration

Im Allgemeinen beschreibt Migration den Transfer von Molekülen aus einer Verpackung in das Lebensmittel und umgekehrt. Dies kann die Qualität der verpackten Ware reduzieren. Migrationsfähige Substanzen sind solche mit einer Molekularmasse von <1000 Dalton. Je niedriger ihre molekulare Masse, desto leichter kann eine Substanz migrieren. Dennoch gibt es keine allgemein anerkannte Definition für eine niedrige Migration. Für die wasserbasierten Klebstoffe von Henkel bedeutet niedrige Migration mehr als nur die gesetzlichen Bestimmungen und Grenzwerte einzuhalten. Wo immer wir können, minimieren wir den Einsatz von kritischen Bestandteilen, und finden Wege zur Beseitigung von migrationsfähigen Substanzen.

PAA
Primäre aromatische Amine (PAA, Primary Aromatic Amines) sind eine Gruppe von Chemikalien, die ein gemeinsames Strukturelement teilen, ein Amin, das an einen aromatischen Ring gebunden ist. Mehrere dieser Verbindungen sind als Humankanzerogene bekannt. Ihre Präsenz in Lebensmittelverpackungen ist daher zu vermeiden. Aromatische Amine werden aufgrund ihres toxikologischen Profils in der Regel nicht als Formulierungskomponenten verwendet. Sie können jedoch aus Polyurethan-Druckfarben und Kaschierklebstoffen – als NIAS – entstehen. Dies macht es zwingend notwendig, Lebensmittelverpackungen hinsichtlich der Präsenz von PAAs zu testen, wenn eine reaktive Polyurethankomponente bei der Herstellung verwendet wird.

Photoinitiatoren
Photoinitiatoren sind photoreaktive Substanzen, die nach Bestrahlung mit UV-Licht sogenannte Radikale erzeugen. Diese können Polymerisation und Vernetzungsreaktionen auslösen, z.B. in Acrylsystemen.

Phthalate
Phthalate wie Diisononylphthalat, Dibutylphthalat oder Diiso-butylphthalat werden oft als Weichmacher eingesetzt.

Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004
Die Rahmenverordnung ist eine europäische Lebensmittelkontaktgesetzgebung. Materialien und Gegenstände sind nach GMP-Richtlinien so herzustellen, dass sie bei normaler oder vorhersehbarer Verwendung keine Stoffe auf Lebensmittel abgeben, die geeignet sind,

  • die menschliche Gesundheit zu gefährden,
  • eine unvertretbare Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel herbeizuführen oder
  • eine Beeinträchtigung der organoleptischen Eigenschaften der Lebensmittel herbeizuführen.

Restlösungsmittel
Lösemittelbasierte Klebstoffe müssen nach dem Auftragen trocknen. Dieser Trocknungsvorgang unterliegt nicht Henkels Kontrolle, sondern der Verantwortung der Kunden. Daher kann ausschließlich der Verarbeiter bestimmen, wie hoch der Gehalt an Restlösungsmitteln im Endprodukt ist. Zumeist beeinflussen Lösungsmittel die organoleptischen Eigenschaften (Geruch und Geschmack) des Lebensmittels sehr stark. Daher ist die Trocknungseffizienz hinsichtlich der Eignung für den Lebensmittelkontakt äußerst wichtig.

Schweizer Bedarfsgegenständeverordnung
Die Schweizer Bedarfsgegenständeverordnung SR 817.023.21 ist eine Gesetzgebung für Konsumgüter. Sie kann mit der deutschen Bedarfsgegenständeverordnung verglichen werden. Da die Schweiz nicht Mitglied der Europäischen Union ist, ist die europäische Lebensmittelkontaktgesetzgebung, z.B. die Rahmenverordnung, in der Schweiz nicht gültig. Daher muss die Schweiz eine eigene Lebensmittelkontaktgesetzgebung schaffen. In den meisten Fällen überträgt die Schweiz die europäische Gesetzgebung in ihr nationales Recht, sodass die Beschränkungen für bestimmte Stoffe in der Schweiz gleich sind wie in der EU-Gesetzgebung. Anhang X der Schweizer Bedarfsgegenständeverordnung enthält eine spezielle Positivliste für Druckfarben für Lebensmittelverpackungen, die in anderen europäischen Ländern nicht existiert. Wenn ein Lebensmittel, das verpackt und bedruckt ist, in der Schweiz verkauft wird, so darf die Druckfarbe nur aus Komponenten bestehen, die in den Positivlisten des Anhangs X aufgeführt sind. Liste A in Anhang X umfasst Stoffe, die toxikologisch beurteilt wurden und für welche Grenzwerte festgelegt wurden. Liste B umfasst Stoffe, die noch nicht bewertet wurden, sodass deren Grenzwerte 10 ppm betragen.

Schwermetalle

Es existieren viele verschiedene Definitionen für Schwermetalle. Meistens werden Schwermetalle durch ihre Dichte definiert, ohne ihre unterschiedlichen Toxizitätsstufen zu berücksichtigen. Gemäß dem Römpp-Lexikon „Chemie“ haben Schwermetalle eine Dichte von mehr als 5 g/cm³. Insbesondere Quecksilber, Blei, Cadmium und Chrom (VI) gelten als sehr schädliche Schwermetalle. Arsen wird aufgrund seiner Toxizität häufig zu dieser Gruppe gezählt, obwohl das Element – genau betrachtet – ein Halbmetall ist. Viele Schwermetalle wie Eisen, Kupfer, Zinn und Zink sind für den Menschen lebensnotwendig und werden daher als sogenannte essentielle Spurenelemente bezeichnet.

Spezifischer Migrationsgrenzwert
Für einzelne Verbindungen wurden spezifische Migrationsgrenzwerte definiert, die in das Lebensmittel migrieren und somit eine toxikologische Bedeutung haben. Spezifische Migrationsgrenzwerte werden in mg Substanz pro kg Lebensmittel ausgedrückt.

Stabilisatoren
Stabilisatoren sind Additive zur Stabilisierung der physikalischen und chemischen Eigenschaften von Klebstoffen. Es gibt verschiedene Arten von Stabilisatoren:

  • Viskositätsstabilisatoren: Verdickungsmittel oder Kolloide, die zur Stabilisierung der Viskosität, zur Modifizierung der Rheologie und zur Vermeidung von Sedimentation und Phasing verwendet werden
  • UV-Stabilisatoren: Additive, die UV-Strahlung absorbieren und/oder UV-Abbau des Polymers verhindern
  • Latexstabilisatoren (Tenside und/oder Thiuram): Vermeidung der Alterung von Naturkautschukemulsionen und Erhöhung der mechanischen Stabilität

SVHC
SVHC ist die Abkürzung für „Substances of very high concern” und bedeutet „besonders besorgniserregende Stoffe“. Für diese Stoffe wurde ein Antrag gestellt, dass ihre Verwendung gemäß der REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) zu genehmigen ist. Dies stellt den ersten Schritt für die Zulassung und Beschränkung von Chemikalien dar. Eine Substanz ist ein besonders besorgniserregender Stoff, wenn sie eine der folgenden Kriterien erfüllt:

  • sie ist krebserregend
  • sie ist erbgutverändernd
  • sie ist fortpflanzungsgefährdend
  • sie ist persistent, bioakkumulativ und giftig
  • sie ist sehr persistent und sehr bioakkumulativ
  • es liegt ein wissenschaftlicher Beweis für wahrscheinliche ernsthafte Effekte auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt vor; solche Substanzen werden fallweise beurteilt

Toxikologie
Die unternehmenseigene Toxikologie in Düsseldorf vereint Henkels toxikologisches Knowhow. In Bezug auf Lebensmittelkontaktmaterialien ist die Toxikologie in die Beantwortung von Fragestellungen involviert, die fundiertes Wissen erfordern. Risikobewertungen bestehen immer aus zwei Teilen, nämlich aus einer Gefahrenbewertung und einer Expositionsbewertung. Zunächst muss festgestellt werden, ob eine Gefährdung aufgrund des Vorhandenseins einer bestimmten Chemikalie in einem Lebensmittelkontaktmaterial gegeben ist. Diese Gefahrenbewertung beruht auf allen verfügbaren toxikologischen Daten, sei es aus in-vitro-Tests, in-vivo-Tests, bisherigen Erfahrungen am Menschen oder aus epidemiologischen Studien. Für Screening-Zwecke kann eine computerbasierte Struktur-Aktivitäts-Beziehungsanalyse durchgeführt werden. Um eine fundierte Risikobewertung zu erhalten, kann es notwendig sein, Datenlücken durch zusätzliche toxikologische Tests zu füllen. Der zweite zu betrachtende Aspekt ist die potentielle Exposition, z.B. die eines Konsumenten von verpackten Lebensmitteln. Diese Exposition kann geschätzt werden, z. B. basierend auf Migrationstests. Sobald das Gefährdungspotential und die Exposition identifiziert wurden, kann der Toxikologe das potenzielle Risiko bestimmen. Hierbei kann der sogenannte Sicherheitskoeffizient „Margin of Safety“ (MoS) herangezogen werden – ein Faktor, der die duldbare tägliche Aufnahmemenge eines Lebensmittels beschreibt. Bei Bedarf stellt die Toxikologie Henkel-Kunden auch toxikologische Unterstützung zur Verfügung, um spezifische Fragen zu beantworten oder gesundheitsbezogene Problemstellungen zu lösen.

Triacetin
Triacetin, auch Glycerintriacetat (CAS Nr. 102-76-1) genannt, kann als Weichmacher verwendet werden. In Europa ist diese Substanz als Lebensmittelzusatzstoff unter der E-Nummer E 1518 zugelassen.

UV-Aushärtung
UV-Aushärtung ist eine Vernetzungsreaktion mithilfe von UV-Licht. Die Bestrahlung eines UV-reaktiven Klebstoffes mit UV-Licht erzeugt Radikale (siehe Photoinitiatoren). Diese initiieren Vernetzungsreaktionen, z.B. in acrylischen Systemen. Ein Produkt mit kurzen Polymerketten und geringer Kohäsion wird nach dieser Härtungsphase zu einem zusammenhängenden, dreidimensionalen Verbund.

VOC
Die Abkürzung VOC steht für „volatile organic compounds“ und bedeutet „flüchtige organische Verbindungen“. Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für organische Stoffe, die leicht verdampfen bzw. schon bei niedrigen Temperaturen als Gas vorliegen. Beispiele sind Restlösungsmittel oder Monomere.

Zersetzungsprodukte
Zersetzungsprodukte entstehen bei der Herstellung oder beim Aufheizen eines Klebstoffs. Sie gelten als NIAS. Die Gesetzgebung verlangt, auch Zersetzungsprodukte innerhalb der Risikobewertung miteinzubeziehen.

Zink
Zink wird in kaseinbasierten Klebstoffen üblicherweise in Salzform (z. B. ZnCO3) oder Oxidform (ZnO) verwendet, um die Wasserbeständigkeit zu verbessern. Aufgrund ihrer geringen Löslichkeit in Wasser sind pulverförmige Zinkverbindungen allerdings als „R50-53“ eingestuft worden, d.h. „sehr giftig für Wasserorganismen“, und müssen entsprechend beschriftet, verpackt und transportiert werden. Henkels neue Produktserie kaseinbasierter Klebstoffe verwendet daher keine Zinkverbindungen.

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